Petrikirche

Da der Dom bereits nach Paulus benannt war, wurde die Gymnasialkirche des Gymnasiums Paulinum unter das Patronat des Apostel Petrus gestellt.

petrikirche-grundriss1. Kanzel (Heinrich Rendelen, 1715) auf der linken Seite
2. Moderner Altartisch aus schwarzem Marmor (Johannes Erdmann) im Chorraum
3. Tabernakelstele (Hein Wimmer) vor der Ostwand im südlichen Seitenschiff
4. Flämischer Bronzeleuchter (17. Jh.) im Mittelraum der Kirche
5. Apostelfiguren im Umlauf der Kirche

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Baugeschichte

1590: Grundsteinlegung der Kirche und des Kollegs der Jesuiten, des Gymnasiums Paulinum
1591: Einstellung der Bauarbeiten an der Kirche zu Gunsten der Kollegbauten
1594: Wiederaufnahme des Kirchbaus
1598: Fertigstellung der Kirche
1941/1945: Nahezu völlige Zerstörung der Kirche
1950 - 1956: Wiederaufbau der Kirche ohne die Kollegiengebäude des Paulinum. Nutzung als Kirche der Studentengemeinde und des Gymnasiums Paulinum.

Die Petrikirche ist die erste Kirche eines Jesuitenkollegs in Münster nach der Berufung des Ordens nach Münster durch Gottfried von Raesfeld (1522-1586). Die Jesuiten gründen 1588 ein Kolleg, wobei ihnen zugleich das Paulinum, die ehemalige Domschule, übergeben wird. Am 3. Juli 1590 erfolgt die Grundsteinlegung des Kollegs und der Kirche unter der Leitung von Johann Roßkott, einem Mitglied der städtischen Bildhauergilde.

Aus Geldmangel und der Notwendigkeit, den Bau des Gymnasiums weiterzuführen, wird der Bau der Kirche 1591 eingestellt. 1594 erfolgt die Wiederaufnahme des Kirchbaus, der 1598 vollendet wird. Durch Bombentreffer zwischen 1941 und 1945 wird die Kirche nahezu völlig zerstört. Bei dem Wiederaufbau zwischen 1950 und 1956 wird der heutige Sakristeibau angefügt. Die völlig zerstörten Kollegiengebäude werden nicht wiedererrichtet.

Außenandicht

petrikirche-aussenÜber einem Sockel aus Bruchsteinen, der den Bauabschnitt vor der Stilllegung dokumentiert, erhebt sich die dreischiffige Emporenbasilika aus Backstein. Werksteinquader aus Baumberger Sandstein heben Kanten, Gesimse sowie Rahmen und Dekor der Fenster und Portale eindrucksvoll hervor. Die Strebepfeiler aus Sandstein im Kontrast zu dem roten Backstein dienen ebenso als Gliederungselemente der Seitenfronten wie die großräumigen Fenster.
Als Schauseite bietet sich die symmetrisch gegliederte Westseite dar. Dominant erhebt sich das große sechsbahnige Rundbogenfenster mit seinem axialsymmetrisch gestalteten Maßwerk über ein sehr zierlich wirkendes Portal, dessen Rundbogenarkade von zwei kannelierten Halbsäulen umrahmt ist. Seinen Abschluss findet das Portal in einem Oberlicht in Form einer Limette.

Ebenso der Symmetrie unterworfen sind die Westwände der beiden etwas niedrigeren Seitenschiffe. Deren dreibahnigen Maßwerkfenster werden durch einen Rahmen über beide Geschosse zu einer Einheit verbunden. Wesentlich kunstvoller gestaltet ist das Portal auf der Nordseite, welches ursprünglich zum Innenhof des Kolleggebäudes ausgerichtet war. Im Stile der Renaissance ist das Portal einer kleinen, antiken Tempelnische nachgebildet. Die Kartusche trägt das Monogramm des Ordens mit der Umschrift „ADIVTORIVM NOSTRVM IN NOMINE DOMINI“ und nimmt wohl Bezug auf den Stifter des Kollegs, Gottfried von Raesfeld.
Die Treppentürme an beiden Seiten des Längsschiffs führen im Innern der Kirche zu den Emporen. Auf einem quadratischen Sockel ruhend, gehen sie über in ein Oktogon. Die Treppentürme in den Chorwinkeln sind eine Rekonstruktion der wegen Baufälligkeit im 18. Jh. abgetragenen Türme, die in den Achtzigerjahren des 18. Jh. durch einen barocken Dachreiter ersetzt wurden.
Nach dem Krieg wollte man jedoch die ursprüngliche Ansicht der jesuitischen Kollegkirche wiederherstellen.

Innenansicht

Kanzel auf der linken Seite

Kanzel auf der linken Seite

Der erste Eindruck wird geprägt durch ein relativ breit erscheinendes Mittelschiff, das sich durch breite Rundbogenarkaden zu den wesentlich schmaleren Seitenschiffen öffnet. Während das untere Geschoss der Seitenschiffe durch ein niedriges Kreuzrippengewölbe überspannt ist, ist die Empore mit ihrer kunstvollen Balustrade von einer flachen Holzdecke überdacht. Die Rundbögen der Arkaden gehen in eckige Pfeiler über, die auf Rundsäulen mit ionischen Kapitellen ruhen. Gliedernd durchbrechen die Pfeiler den Lauf der Balustrade.

Beidseitig des Mittelschiffs befinden sich in leichten Rundbogennischen der Pfeiler Apostelfiguren, die in Körperhaltung und Blickrichtung dem Altarraum zugewandt sind. Das Netzgewölbe des Mittelschiffs, das auf Konsolen an den Pfeilern fußt, hat vorrangig eine ornamentale Funktion. Die Apsis ist mit den Figuren Petrus und Paulus aus Alabaster geschmückt. Die dreibahnigen Chorfenster mit Fischblasenmaßwerk verweisen noch auf spätgotische Formen, wie sie um 1500 stilprägend waren.

Die Petrikirche beeindruckt stärker durch die einzigartige Raumerfahrung als durch ihre Ausstattung. In den Nischen der 1715 von Heinrich Rendelen als Oktogon geschaffenen Kanzel  finden sich neben einer Christusdarstellung die Figuren der vier Evangelisten, welche die Kanzel als einen Ort der Verkündigung ausweisen. Der Treppenaufgang ist reich mit pflanzlichen Ornamenten geschmückt.

Ausstattung

Apostelfigur im Kirchenumlauf

Apostelfigur im Kirchenumlauf

Mittelpunkt des Chorraumes bildet der moderne, aus schwarzem Marmor von Johannes Erdmann geschaffene Altartisch. Neben dem von Hein Wimmer entworfenen Standkreuz mit silbernem Korpus ist die von ihm entworfene Tabernakelstele beachtenswert. Der Tabernakel, der in seinem Bildprogramm auf das eucharistische Geheimnis ausgerichtet ist, zeigt auf der Vorderseite das apokalyptische Lamm und auf der Rückseite das Fischsymbol. Die Seitenteile deuten symbolisch auf die Eucharistie hin, während die Oberseite den Heiligen Geist in Gestalt einer Taube zeigt. Der flämische Bronzeleuchter aus der zweiten Hälfte des 17. Jh. wird zu festlichen Anlässen mit Kerzen bestückt und taucht den Kirchenraum in eine feierliche Atmosphäre.